Antisemitismus ist in unserer Gesellschaft tief verankert. Gleichwohl sind Kontinuität und Relevanz des Antisemitismus nicht immer und nicht für alle gleichermaßen präsent. Die jüngsten antisemitisch motivierten Anschläge auf jüdische Einrichtungen in Berlin und Halle und die nahezu alltäglich gewordenen Vorfälle im öffentlichen Raum, an Schulen, Hochschulen und Gedenkstättenzeichnen machen den Handlungsbedarf mehr als deutlich. Die AG Antisemitismus geht der Frage nach, wie sich Antisemitismus in Thüringen zeigt und welche bereichsübergreifenden Präventionsaufgaben vor allem im Sicherheits- und Bildungsbereich damit verbunden sind. Sie lotet die aktuellen Befunde zur Verbreitung von Antisemitismus in Deutschland und Thüringen aus und gibt Handlungsempfehlungen.
Ziel der Arbeitsgruppe
Podcast Antisemitismus
# 01 Die gesellschaftliche Relevanz von Antisemitismus in der Gegenwart
Herr Georg Maier, Minister für Inneres und Kommunales in Thüringen, Herr Prof. Dr. Reinhard Schramm, Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, und Frau Marina Chernivsky sprechen über die Aktualität des Themas Antisemitismus, über Entwicklungen in Thüringen und über Präventionsmöglichkeiten.
Studie "Umgang mit Antisemitismus im Kontext der Thüringer Polizei"
Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen die Notwendigkeit, die Beschäftigung mit gegenwärtigem Antisemitismus in der Aus- und Fortbildung von Polizistinnen und Polizisten sowie Polizeibeamtinnen
und Polizeibeamten zu intensivieren. Bislang wird Antisemitismus laut den Studienteilnehmenden nicht explizit in der Aus- und Fortbildung berücksichtigt. Einige Polizistinnen und Polizisten sowie Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte sehen Antisemitismus als nicht ausreichend berücksichtigt an und wünschen sich eine intensivere politische Bildung zu diesem Thema. Es gäbe zwar vereinzelte Weiterbildungen, die Antisemitismus und Rassismus behandeln, allerdings hängen diese stark von der Eigeninitiative der Studienteilnehmenden ab und seien nicht verpflichtend. Einige äußerten Bedürfnisse nach praxisnahen Seminaren und regelmäßigen Bildungsmaßnahmen, um ihr Wissen um Antisemitismus zu vertiefen.
Zudem werden strukturelle Verbesserungen, wie Freistellungen für Weiterbildungen, vorgeschlagen, um mehr Polizistinnen und Polizisten sowie Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte zur Teilnahme an solchen Angeboten zu motivieren. Insgesamt zeigt sich der Wunsch, das Verhältnis zwischen Polizei und jüdischen Communities durch bessere Bildung und mehr Sensibilität zu verbessern, während gleichzeitig im Kontext anderer Studienbefunde auch Selbstinszenierungen und stereotype Darstellungen zu beobachten sind.
Zusammengefasst scheint es wichtig zu sein, durch gezielte Gesprächsangebote und biografisch akzentuierte Fortbildungsmaßnahmen die Historisierung, Distanzierung und Relativierung von Antisemitismus aufzubrechen und ein erweitertes Antisemitismusverständnis zu fördern. Dabei geht es um die Annäherung an jüdische Erfahrungen und Antisemitismus aus jüdischen Perspektiven, aber auch um die Förderung des Problembewusstseins und die eigene Fähigkeit, den Gegenwartsantisemitismus zu verstehen und als Teil ihrer Aufgabe zu begreifen.

